Kombiinstrument Volvo S60, V70, XC70, S80, XC90 1998-2009

Das Armaturenbrett ist ruhig und aufgeräumt in der Einteilung. Auch das Kombiinstrument sieht übersichtlich aus: vier analog aussehende Anzeigen mit darunter fast nicht auffallenden Displays. Man hat das Gefühl das alles für ewig seine Arbeit verrichtet und wenn man gerade mal nicht drauf achtet, versuchen keine Elemente die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Eigentlich ist ein Volvo das ideale Beförderungsmittel um nach einem stressigen Arbeitstag zur Ruhe zu kommen.


Volvo hat über die Jahre seinen makellosen Ruf gut genutzt. Die schwedische Automarke hat sich allzeit sehr auf dem Gebiet der Sicherheit eingesetzt und ein Auto das sicher ist muss so auch zusammengebaut sein oder ? Zumindest ist dies bei vielen Menschen der Gedankengang. Das Aussehen vieler Volvos unterstreicht dies ebenfalls. Das Design ist allzeit ruhig und dezent. Auffällige, italienische Designpraktiken waren bis vor kurzem nicht mit Volvo zu verbinden. Beim Innenraum ist es eigentlich auch nicht anders.

Volvo Kombiinstrument

Aber den nachfolgenden Teil werden viele Menschen mit Verwunderung lesen, auch ein Volvo kann mal kaputt gehen. Hinter dem unscheinbaren Armaturenbrett schlummert nämlich ein Haufen Elektronik, die beinahe vollständig auf eingehende Nachrichten aus dem CAN-Netzwerk vertraut. Das bedeutet somit auch, dass das Kombiinstrument mit Datenspeichern, EEPROM und Prozessoren versehen ist. Die analogen Anzeigen im Kombiinstrument sind eigentlich auch nicht analog: eingehende CAN-Berichte werden durch einen digitalen Anzeiger in einem bestimmten Zeigerstand wiedergegeben. Der Schein trügt, so ist es dort sehr voll in der Instrumententafel und die Elektronik, die alles steuert, ist sicherlich nicht unzerstörbar.

Was geht in den meisten Fällen defekt?

Die Fehler die wir hier oft sehen, haben mit dem Ausfall einer oder mehrerer Funktion(en) zu tun. Es kommt sogar des Öfteren vor, dass das Kombiinstrument total ausfällt. In diesen Fällen ist es nicht einfach die Ursache zu lokalisieren aber durch unsere selbst entwickelten Testaufbauten und speziell geschriebene CAN-Daten können wir sehr viel. Wir wissen genau was das Volvo-Kombiinstrument schaltet, nachdem es bestimmte CAN-Berichte empfangen hat. Wir wissen genau welche Berichte wir senden müssen umso das Kombiinstrument ans Laufen zu bekommen und die Ursache des Problems zu finden. Dies ist anders unmöglich.

Aber was genau ist der Grund warum Elemente ausfallen ? Rund um den Prozessor sitzen mehrere Netzwerke mit Widerständen. Unterbrechungen in diesen Netzwerken verursachen allerlei Fehler, unter Anderem das Ausfallen von Elementen. Die Netzwerke sind alle miteinander verwickelt und darum heißt es „gut suchen“ um herauszufinden wo das Problem sitzt. Wir stellen auch regelmäßig fest, dass der Prozessor selbst sich punktuell von der Platine gelöst hat, was natürlich dafür sorgt, dass der Prozessor nicht mehr so funktioniert wie er es soll.

Volvo Kombiinstrument Uberholungsprozess

Zusätzlich zum Ausfallen von Elementen, kommt es ab und an vor, dass die Knöpfe zum Resetten des Tageskilometerzählers oder der Einstellknopf des Kombiinstrumentes nicht mehr arbeiten. Auch der Lautsprecher für Signaltöne gibt ab und zu den Geist auf. All diese Komponenten ersetzen wir durch neue, hochwertigere Bauteile.

Der Überholungsprozess

Bei ACtronics streben wir nach Qualität. Es wäre für uns sicherlich einfacher die gefundenen Defekte zu beheben und das Bauteil dann zurück zu senden, so arbeiten wir jedoch nicht.
Jedes Kombiinstrument welches wir erhalten folgt einem festgelegten Prozess in dem wir alle Schwachpunkte begutachten ob diese Defekt sind oder nicht. Darüber hinaus suchen wir immer nach Lösungen um das Problem nicht nur aufzulösen sondern das Produkt besser zu machen.

Volvo Kombiinstrument PCB

Beim Überholen dieser Kombiinstrumente fällt enorm viel Testarbeit an. Wir wollen absolut sicher gehen dass jede Funktion so arbeitet wie sie soll. Aus diesem Grund haben wir alle CAN-Daten so entworfen, dass wir wirklich alle Funktionen im Kombiinstrument ansteuern können. Reagiert das Kombiinstrument hierauf, dann wissen wir sicher, dass die Funktion so arbeitet wie sie soll.

Auch im Abschlußtest sind wir sehr streng. So muss das Kombiinstrument noch dann arbeiten, wenn wir die Platine leicht biegen und die Spannungsversorgung von 10 Volt bis 16 Volt variieren. Sofern alles i.O. erscheint, setzen wir das Abdeckglas wieder auf. Dies ist nicht das mitgelieferte Glas sondern ein neues Exemplar. Die Qualität steckt also nicht nur im Inneren sondern wird auch äußerlich sichtbar: das Kombiinstrument sieht wieder wie neu aus wenn es bei Ihnen abgeliefert wird.

Volvo Kombiinstrument Actronics

Wussten Sie schon?

Das Kombiinstrument und das Klimabedienteil der Volvos mit diesem Typ Armaturenbrett werden vom selben Relais mit Spannung versorgt. Sollten beide Bauteile gleichzeitig ausfallen, dann kontrollieren Sie erst das 5-Pin-Relais auf korrekte Funktion. Sollten die Bauteile dann noch immer nicht funktionieren, überholen wir diese sehr gerne für Sie.

Das Kombiinstrument im Detail

Das Kombiinstrument scheint sehr einfach zusammengesetzt zu sein: 4 Zeiger, 2 Displays mit Lampen und 2 Displays mit einfachen Informationen wie z.B. die Uhrzeit. Die Technik hier hinter kann doch nicht so kompliziert sein?

Aber der Schein trügt. Die Zeiger der verschiedenen Anzeigen werden nicht mehr analog oder durch einen Widerstandswert angesteuert sondern bekommen all Ihre Informationen über das CAN-Netzwerk. Sobald Sie dem Begriff „CAN“ begegnen, wissen Sie direkt, dass Prozessoren und Speicher involviert sind um verschiedene Informationen wiederzugeben. Alle Rohdaten werden per CAN-Bericht an das Kombiinstrument übermittelt. Der Bericht meldet wofür dieser bestimmt ist und gibt bestimmte Werte mit. Manchmal werden diese Werte direkt durch ein Display oder einen Anzeiger wiedergegeben, jedoch wird manchmal auch mit den eingehenden Werten gerechnet.

Um Ihnen ein wenig Einsicht in die Welt von CAN-Berichten zu geben und wie das Kombiinstrument hiermit rechnet, haben wir hier ein kleines Beispiel:

Volvo Kombiinstrument-detail

29 0360424C 0 8 — 60 00 00 00 0C 75 01 00

Hierüber sehen Sie das Vorbild eines CAN-Berichtes. Für viele Menschen sieht dies vielleicht aus wie ein Haufen Geheimzahlen aber dies ist lediglich die Sprache, die die Elektronik in einem Auto gegenwärtig spricht. Der Einfachheit halber halten wir fest, dass der erste Teil angibt, dass der Bericht für die digitale 24- Stunden-Uhr bestimmt ist. Der zweite Teil ist wesentlich interessanter, denn er wird alles verändern.

Jedes Stück der Doppelzahlen im zweiten Teil wird digit oder nibble genannt. Der Bericht besteht aus insgesamt 8 digits. Wir beginnen mit dem Zählen immer bei D0. Digit 5 und 6 sind somit automatisch D4 und D5. Sofern die Uhrzeit verspringt, sehen wir dass diese beiden digits sich verändern. Darin sitzt die Zeitwiedergabe versteckt.

Aber welcher Code sorgt für welche Zeit ? Um dahinter zu kommen, müssen Sie erst mal wissen dass die Zahlen in den CAN-Berichten hexadezimal aufgebaut sind: keine Zahlenfolge von 0 bis 9 sondern von 0 bis F. Die 6 Extrabuchstaben nach der 9 sorgen dafür, dass man immer anstatt bis 10 bis 16 zählen kann. Überdies müssen Sie im Hinterkopf behalten, dass jede Veränderung in der Uhr (somit auch in der Programmiersprache) in Minuten ist. Also gibt der Code 0C 76 eine Minute später an als die nun angezeigte 0C 75. Aber mit dieser Kenntnis sind wir noch nicht am Ziel. Der Code 0C 75 bezeichnet in unserer Theorie nämlich:

(0*16³) + (12*16²) + (7*16) + 5 = 3189 Minuten?!? Auf der Uhr steht 19:01 Uhr…

Selbst wenn man die Zeitangabe (19:01) in Absolutminuten umrechnet, kommt man noch lange nicht auf 3189. Doch stimmt die Theorie: Rückblickend scheint es, dass 08 00 der Nullwert für die Uhr ist. Wenn die Uhr auf 00:00 steht, beginnt das Hexadezimalzählen dann bei 0800, was umgerechnet 2048 Minuten bedeutet.

Ein Rechenbeispiel: Wir möchten dass die Uhr 14:27 anzeigt. Erst rechnen wir diese Zeit in Minuten um -> 867. Dann rechnen wir die Nullwerte auf: 867+2048 = 2915. Danach rechnen wir diese Werte hexadezimal um: B63 (wird dann zu 0B 63). Wir setzen dann in den CAN-Bericht 0B 63 an Stelle der 0C 75 und … die Uhr zeigt14:27 an. Es funktioniert also wirklich !

Was wir aus diesem Umstand mitnehmen können, ist dass das Kombiinstrument in der Lage ist CAN-Berichte zu lesen und direkt wiederzugeben oder um Berechnungen anzustellen und die Ergebnisse an zu zeigen. Der Prozessor führt diese Berechnungen aus und der Speicher ist so programmiert, dass dieser weiß, was mit einem bestimmten Bericht geschehen muss. Die Zusammenarbeit ist essentiell wichtig und Störungen zwischen oder in den Bauteilen können dafür sorgen, dass das komplette Kombiinstrument ausfällt. Warum dann ein CAN-Netzwerk wählen wenn diese enorm störanfällig sein können ? Alle Daten können über ein Kabel versandt werden (das Kombiinstrument hat gerade mal ein Stecker) und die Möglichkeiten für Berechnungen und Wiedergaben sind endlos. Ein CAN-Netzwerk ist schlichtweg wesentlich funktionaler als ein altmodischer Kabelbaum.

Demontage des Kombiinstrumentes

Das Demontieren des Kombiinstrumentes ist relativ einfach.
Entfernen Sie erst die Kunststoffeinfassung welche um das Kombiinstrument eingeklickt ist. Manchmal werden zwei T25-Torxschrauben an der Oberseite verwandt. Sollten diese nicht eingesetzt sein, können Sie direkt erst die Oberseite und dann auch die Unterseite zu sich heran ziehen. Sie sollten nun bemerken, dass die Unterseite an der Abdeckung der Lenksäule fest sitzt. Sobald Sie das Lenkrad eine viertel Umdrehung drehen, haben Sie genug Platz um die Einfassung mit etwas Bewegung los zu ziehen.

Einmal entfernt, werden 4 T25-Torxschrauben sichtbar womit das Kombiinstrument am Armaturenbrett festgeschraubt ist. Entfernen Sie diese Schrauben nach und nach und ziehen Sie das Kombiinstrument langsam zu sich hin. Die Verkabelung sitzt mittig auf der Rückseite des Kombiinstrumentes mit einem Zentralstecker befestigt.

Zur Verdeutlichung haben wir noch ein hilfreiches Video auf YouTube gefunden: