Continental 7G-Tronic TCU (722.9)

Kenner werden beim Begriff “ 7G-Tronic” wahrscheinlich direkt an Automatikgetriebe von Mercedes-Benz denken. Und zurecht, war dies doch das erste 7-Gang Automatikgetriebe, welches für PKWs ausgelegt war. Das Getriebe wurde ab 2003 in allen 8-Zylinder-Modellen von Mercedes eingeführt.

Aber wenn Mercedes die 7G-Tronic selbst entwickelt und eingeführt hat, warum wird dann der Name Continental verwendet ? Continental ist der Name des Fabrikanten, welcher das TCU für die 7G-Tronic herstellt. Wir haben es nämlich in diesem Artikel nicht über das ganze Getriebe sondern lediglich über den elektronischen Teil, welcher das Getriebe steuert. Darum verwenden wir in diesem Artikel auch nur den Namen Continental 7G-Tronic (722.9) TCU.

Continental 7g Tronic 722-9 TCU

Was geht in den meisten Fällen defekt ?

Es ist wichtig zu wissen, dass das TCU ein Teil der Mechatronik dieses Getriebes ist. Mechatronik ist ein kombiniertes Bauteil aus einer Mechanik (in diesem Falle Aktuatoren und Labyrinth) und die Elektronik (die Sensoren und das Gehirn: zusammen das TCU). Angesichts der Tatsache, dass nur Defekte betreffend des TCU wahrgenommen werden, hat ACtronics eine Überholungslösung nur für das TCU entwickelt. Darum haben wir es in diesem Artikel auch nur über den elektronischen Teil und nicht die gesamte Mechatronik.

Continental-7g Tronic 722-9 3D

Beim TCU des 7G-Tronic haben wir es vor Allem mit Fehlern bezüglich diverser Sensoren zu tun. Es geht hierbei nicht alleinig um die Geschwindigkeitssensoren Y3/8N1, Y3/8N2 und Y3/8N3, sondern auch über den Schaltpositionssensor Y3/8S1. Jeder Sensor hat so seine eigenen, spezifischen Fehlercodes:


Y3/8N1 – Geschwindigkeitssensor Turbine
  • P0717 – The signal from component Y3/8n1 (Turbine speed sensor (VGS)) is not available

  • P0718 – Component Y3/8n1 (Turbine speed sensor (VGS)) is defective

Y3/8N2 – Geschwindigkeitssensor intern
  • P2200 – The signal from component Y3/8n2 (Internal speed sensor (VGS)) in not available

  • P2201 – Component Y3/8n2 (Internal speed sensor (VGS)) is defective

  • P2767 – The signal from component Y3/8n2 (Internal speed sensor (VGS)) in not available

  • P2768 – Component Y3/8n2 (Internal speed sensor (VGS)) is defective

Übrige Fehlercodes Geschwindigkeitssensor intern:
  • P2204

  • P2205

  • P2206

  • P2207.

Y3/8N3 – Geschwindigkeitssensor output
  • P0722 – Output Speed Sensor No Signal

  • P0723 – Output Speed Sensor (VGS) is defective

Y3/8S1 – Schaltpositionssensor
  • P0705 – Transmission Range Sensor Circuit Malfunction

  • P2716 – Pressure Control Solenoid “D” Electrical

Diese Defekte sind nicht allein an den Fehlercodes zu erkennen denn eigentlich merkt man in diesen Fällen, dass das Getriebe nicht mehr gut arbeitet: hin und her schalten zwischen den Gängen, das Rutschen der Kupplung und der komplette Ausfall des Antriebsstranges… es kann alles schief laufen. Stellen Sie bei dieser Art Fehler zuerst eine gute Diagnose. In bestimmten Fällen ist der Defekt mechanischer Art und ist somit nicht im TCU zu finden.

Extra Diagnosetip:

Kontrollieren Sie ob sich Metallspäne auf den Sensorringen im Getriebe befinden. Dies kann die Funtion der Sensoren ernsthaft beeinträchtigen.

Über Fehlercodes bezüglich Y3/8N4

Ab und zu gehen auch TCUs defekt, die Fehlercodes bezüglich Y3/8N4 angeben. TCU’s mit diesen Fehlercodes überholen wir leider nicht und raten an, diese nicht an uns zu senden. Y3/8N4 steht nämlich für die keramische Platine und sollten Komponenten auf diesem Bauteil defekt gehen, ist es ökonomisch nicht mehr rentabel das TCU noch zu überholen.

Der Überholungsprozess

Bevor wir über die tatsächliche Überholung berichten, beginnen wir zuerst am Anfang: Den Eingangstest. Jedes TCU wird vor der Überholung ausführlich auf alle bekannten Schwachpunkte getestet. Auf diese Weise können wir nicht nur feststellen ob die Diagnose korrekt ist sondern auch ob nach weitere Probleme im TCU vorliegen. Wichtige Anmerkung: Unsere Überholung gilt alleinig für das TCU und nicht das Labyrinth.

Werden tatsächlich Probleme wahrgenommen, wird das TCU geöffnet um zu beurteilen wo sich das Problem befindet. Wir werden nicht zu sehr ins Detail gehen aber die Sensoren sind mittels Flachkabel an der keramischen Platine befestigt. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass das Öffnen des TCU und das Lösen der Sensoren ein Job für echte Spezialisten ist. Ein falscher Handgriff und das TCU ist irreparabel beschädigt. Diese Flachkabel sind nicht einzeln zu bekommen und auch nicht einfach so zu ersetzen wie es zum Beispiel bei Displays oftmals der Fall ist.

Glücklicherweise sind unsere Mitarbeiter äußerst erfahren in diesen Dingen. Das Öffnen des TCU, das Lösen von Verbindungen und das Beheben von Problemen ist für sie tägliche Routine. Nicht nur die Verbindung zu den Sensoren wird kontrolliert sondern sollte der Sensor selbst defekt sein, wird auch dieser überholt oder erneuert. Wir nutzen hierbei Komponenten aus unserem Hause, wovon ein Großteil mittels 3-D-Drucker hergestellt werden(!). Hierdurch sind unsere überholten Sensoren von großer Qualität und nicht selten zuverlässiger als Original-Sensoren.
Ob die Überhlung eines Sensors möglich ist, wird im Einzelfall beurteilt. Unsere Mitarbeiter folgen im gesamten Prozess einem festgelegten Ablaufplan. Dadurch ist unsere Überholungsmethode fehlerfrei und zuverlässig geworden.

Continental 7g Tronic 722-9 detail

Wir beheben übrigens nicht nur die gefundenen Defekte sondern behandeln vorsorglich alle bekannten Schwachpunkte. Alle Sensoren werden immer gelöst. Genau dies ist auch der Unterschied zwischen einer Reparatur und einer Überholung: Nach der Überholung ist das Bauteil frei von Schwachpunkten und somit oftmals verlässlicher als ein neues Originalteil.

Natürlich testen wir nach der Überholung ob das TCU wieder nach Vorschrift arbeitet. Wir nutzen hierfür einen selbst entwickelten Testaufbau, der unter Anderem ein echtes, vollständiges Getriebe und ein Original-Wählhebelmodul enthält. Auch hier wird wieder jeder Schwachpunkt kontrolliert und nicht nur die festgestellten Mängel. Nach dem alle Test bestanden sind, kann das Bauteil wieder zurück zu unserem Kunden.

Die 7G-Tronic im Detail

Die 7G-Tronic wurde in 5 verschiedenen V8-Modellen von Mercedes eingeführt: E500, S430, S500, CL500 und SL500. Danach wurde das Getriebe in 6-Zylinder Dieselfahrzeugen wie z.B. den S 320 CDI ebenfalls in Gebrauch genommen. Die Fahrzeuge mit V12-Motoren (S600, S65 AMG) hielten jedoch an der älteren 5G-Tronic fest, da das Getriebe ein Drehmoment bis zu 1079 Nm aushielt. Die 7G-Tronic ist “nur” bis 735 Nm ausgelegt und somit zu schwach für die stärkeren V12-Motoren.

Das Getriebe ist in der Lage während des Zurückschaltens Gänge zu überspringen. Das System verfügt ebenso über ein Lockup: eine permanente Kupplung hinter der Nasskupplung die für 100 % Kraftübertragung zu jedem Augenblick sorgt, wo dies nötig ist. Dies verbessert die Beschleunigung. Das Gehäuse des Getriebes ist zur Gewichtsersparnis aus Magnesium gefertigt womit Mercedes der erste Hersteller überhaupt war.

Bemerkenswerte Tatsache:

Das 7G-Tronic hat 2 Rückwärtsgänge mit verschiedenen Übersetzungen. Im Wintermodus (Komfortmodus) fährt die 7G-Tronic sowohl vorwärts als auch rückwärts im zweiten Gang an um bessere Traktion zu gewährleisten und bei winterlichen Verhältnissen sanfter anfahren zu können.

Das 7G-Tronic enthält ein Planetengetriebe und ein Ravigneauxgetriebe. Zur näheren Erklärung siehe auch dieses Video bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=7iTn8OWxVFU. Diese doppelte Funktion macht mehr Übersetzungsverhältnisse möglich, wodurch in ein relativ kompaktes Getriebe trotzdem 9 Gänge passen (7 Vorwärts und 2 Rückwärts).

Es wurde insgesamt 3 verschiedene Generationen TCUs herausgebracht wobei jede Generation natürlich eine Anzahl Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger erhielt. Es ist schön zu sehen, dass der Hersteller eingesehen hat, dass die Sensoren verbessert werden mussten. Die beschriebenen Fehler kommen somit auch nur bei der ersten und zweiten Generation zum Vorscheinen. Bei TCUs der 3. Generation kamen verbesserte Sensoren zum Einsatz und die angegebenen Fehler traten nun nicht mehr auf.

Continental 7G Tronic detail

Demontage des TCU

Das Demontieren des TCU ist spezifisch zu kompliziert um dies hier kurz zu beschreiben. Deshalb raten wir dringend an, dass TCU nur mit der offiziellen Ausbauanleitung zu demontieren. Aber es gibt noch mehr zu beachten:

Jedes TCU is mit einem einzigartigen SCN-Code, spezifisch von dem Fahrzeug aus dem es stammt, versehen. Sie können die TCUs nicht ungestraft untereinander tauschen: hierfür muss das TCU zuerst gelöscht werden um dies mit dem SCN-Code des Empfängerfahrzeuges zu versehen. Dies kann unter Anderem mit Hilfe der Online-Plattform von Mercedes-Benz geschehen. Nur wenn die Bedingungen erfüllt sind, wird ein neuer SCN-Code ausgegeben. Kurzum, eine Überholung ist in vielen Fällen die einfachste Art um ein Problem mit dem TCU zu beheben.